Volkstrauertag20171119Lüdersen gedachte am 19. November der Opfer von Gewalt und Krieg,  der Kinder, Frauen und Männer aller Völker, wie auch der Lüderser, die in beiden Weltkriegen als Soldaten starben. Unter der Ehrenwache der Feuerwehr und musikalisch begleitet von der Familie Hübner wurde mit der Kranzniederlegung an die Kriegstoten erinnert. Ortsrätin Kerstin Buckup mahnte in ihrer Ansprache an die Verpflichtung zum Frieden, die der Volkstrauertag für alle bedeuten müsse.

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,  
Wieder einmal haben wir gerade der vielen Opfer von Gewalt und Kriegen gedacht. In diesem Jahr 2017, das für uns in der Europäischen Union wieder ein Jahr des Friedens ist. Aber wenn wir uns umschauen, sterben gerade jetzt überall Männer, Frauen und Kinder, weil bei ihnen Krieg herrscht- darunter im Irak, in Syrien, aber auch im Jemen, in Nigeria, in Afghanistan, in Libyen, in der Ukraine. Auf fünf Kontinenten müssen Menschen täglich um ihr Leben bangen. Und ich befürchte, dass wir auch in einem Jahr wieder hier stehen werden und der Opfer gedenken, die es dann wieder überall auf der Welt zu beklagen gibt.

Wir wissen auch, dass dieses Gedenken eine Verpflichtung für uns ist, uns für ein Ende von Kriegen und Gewalt einzusetzen, für Abrüstung statt Aufrüstung und für Dialog statt Konfrontation. Schaut man sich um, dann muss uns auch bewusst sein, wie schwer das ist. Aber was wäre, wenn wir diesen Kampf gegen Krieg und Gewalt aufgäben?

Mir geht dazu ein Songtext immer wieder durch den Kopf, geschrieben vor über 50 Jahren als Reaktion auf die Eskalation im Vietnam – Krieg:

Er ist einsfünfundfünfzig und einsneunzig,
Er kämpft mit Raketen und Speeren.
Er ist schon einunddreißig, und er ist erst siebzehn.
Er ist schon seit tausenden von Jahren Soldat.
Er ist ein Katholik, ein Hindu, ein Atheist, ein Jaina,
Ein Buddhist und ein Baptist und ein Jude.
Und er weiß, er sollte nicht töten,
Und er weiß, daß er es immer tun wird,
Er wird dich für mich töten, Freund, und mich für dich.

Und er kämpft für Kanada,
Er kämpft für Frankreich.
Er kämpft für die USA,
Und er kämpft für die Russen,
Er kämpft für Japan,
Und meint, wir könnten so dem Krieg ein Ende bereiten.

Und er kämpft für Demokratie,
Er kämpft für die Roten.
Er sagt, dass es für den Frieden aller sei.
Er ist derjenige, der entscheiden muss,
Wer leben darf und wer sterben muss,
und er sieht niemals die Schrift an der Wand.

Aber wie hätte Hitler ohne ihn sie (alle) in Dachau töten Können?
Ohne ihn wäre Cäsar allein dagestanden.
Er ist derjenige, der seinen Körper als Kriegswaffe gibt,
Und ohne ihn kann all dieses Töten nicht weitergehen.
Er ist der universelle Soldat,
Und er ist der eigentlich Schuldige,
Seine Befehle kommen nicht mehr von weit her,
Sie kommen von hier und da, von dir und mir,
Und Brüder, seht ihr´s nicht ein?,
So kann man den Krieg nicht aus der Welt schaffen.

Das ist die deutsche Übersetzung des „Universal Soldier“ - bekannt wurde der Song durch Donovan, geschrieben hat ihn 1964 Buffy Sainte Marie, eine Cree - Indianerin aus Saskatchewan, bis heute engagierte Pazifistin und Kämpferin für die Rechte der indigenen Völker. Sie durfte übrigens auf Intervention des damaligen US-Präsidenten Johnson nicht im amerikanischen Radio gespielt werden. Worte und Lieder sind Mittel gegen den Wahnsinn des Krieges. 1964 wie heute oder auch vor 100 Jahren.

Im November 1917 ging eine der großem Schlachten des 1. Weltkrieges zu Ende, nach über 5 Monaten in Flandern. Es kommt nicht von ungefähr, dassChateauwood in unserer Sprache das Wort Schlachten eine doppelte Bedeutung hat. In diesen 5 Monaten starben in Flandern über 250.000 Menschen, 350.000 verwundet, schwer verletzt und zu dauerhaften Invaliden, um ein Gebiet von 130 Quadratkilometern zu erobern. Eine völlig verwüstete Kraterlandschaft, aus der verkohlte Baumstümpfe wie Mahnmale herausragten.

Bilder, die nur schwer zu ertragen sind wie auch die so brutal beendeten Biographien von Soldaten und Zivilisten. Kaum zu ertragen war auch das Leid und Trauer in den Familien damals. Es ist auch heute ebenso wenig zu ertragen und noch weniger zu akzeptieren. Haben wir aus all dem gelernt? Warum gibt es den universellen Soldaten weiterhin, warum tötet er immer noch, damit angeblich das Töten ein Ende hat?

Der heutige Volkstrauertag soll uns einmal wieder mahnen, dass es eine tägliche Herausforderung ist, sich für den Frieden einzusetzen:

Friede ist nicht nur Abwesenheit von Krieg und Gewalt, obwohl wir wissen, dass es Völker gibt, die heute schon dafür dankbar wären. Friede verlangt auch Freisein von Unterdrückung, von Hunger, von Unwissenheit. Nur so können die Menschen und die Völker ihre Fähigkeiten frei und verantwortlich entfalten. Eine dauerhafte und gerechte Friedensordnung erfordert gleichwertige Entwicklungschancen für alle Völker.

Diese Mahnung des Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt gilt heute genauso wie der Liedtext des Universal Soldier.

Lüderser Terminkalender

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