FV Aktuell

Sylvia Reckel (Text und Fotos)

Bald ist Hochsommer, die wärmste Zeit des Jahres, und wir genießen lange laue Sommerabende im Freien. Fast unmerklich hat die Natur kurz zuvor einen Schalter umgelegt. Ab Ende Juni werden die Tage wieder kürzer, und der Höhepunkt der Vegetationsentwicklung und der Blütenfülle ist überschritten. Die Laubblätter der Bäume sind voll ausgebildet, und ihr frühlingsfrisches Hellgrün ist durch ein kräftigeres, dunkleres Grün ersetzt. Mit dem sogenannten Johannistrieb Ende Juni, einem zweiten Austrieb von Blättern und Zweigen bei manchen Laubbaumarten, ist das Längenwachstum der Bäume für dieses Jahr beendet. Kirschen und Johannisbeeren sind reif, und in der ersten Julihälfte beginnt mit der Wintergerste bereits die Ernte.

Am Anfang dieser Periode blüht noch die Winterlinde, die der Sommerlinden-Blüte ab Ende Juni folgt und noch in großer Fülle Nektar und Pollen für Honigbienen, Wildbienen und andere Insekten bereitstellt. Doch sobald dieser Blütenhöhepunkt vorbei ist, beginnt eine schwierige Zeit für das geflügelte Volk. Mit einer entsprechenden Pflanzenauswahl in den Gärten lässt sich hier ein wenig Abhilfe schaffen.

In unserem Präriebeet öffnet ab Anfang Juli der Rote Sonnenhut seine Blüten und zieht die Insekten auf der Suche nach Pollen und Nektar an. Der Rote Sonnenhut stammt aus Nordamerika und gilt als traditionelle Heilpflanze der Ureinwohner zur Stärkung des Immunsystems. Es gibt verschiedene Sorten, nicht nur rosa bis rote, sondern auch weiße und gelbliche Varianten. Manche davon sind empfindlich und kommen nach meiner Erfahrung im nächsten Jahr nicht wieder. Als zuverlässig über Jahre hinweg und als besonders prächtig hat sich bei mir die Sorte „Magnus Superior“ erwiesen. Die Blüte ist purpurfarben und relativ farbintensiv. Mit einer Höhe von bis zu einem Meter ist die Pflanze ziemlich eindrucksvoll.

 Roter Sonnenhut Jeckel

Roter Sonnenhut (Echinacea purpurea) ‘Magnus superior’

 Der Rote Sonnenhut wächst im Präriebeet gern in Gesellschaft mit weiteren insektenfreundlichen Stauden. Empfehlenswert sind zum Beispiel die Präriekerze oder Prachtkerze (Gaura) mit ihren weißen Blütenwolken und die blaue Kugeldistel (Echinops) in Kombination mit verschiedenen Gräsern. In unserem Präriebeet sind auch verschiedene Sorten der Purpur-Königskerze (Verbascum phoenicum) zu finden, die im Hochsommer schon verblüht sind, aber manchmal zu dieser Zeit noch den Tisch decken für die wunderschön gezeichneten Raupen eines Nachtfalters, des Braunen Mönchs. Offenbar hat sich hier in unserem Garten ein ausgewogenes Miteinander zwischen diesen blattfressenden Raupen (Larven) und Königskerzen-Pflanzen ergeben. Das Nahrungsangebot reicht, damit sich aus den Raupen eine bestimmte Anzahl an Faltern (ausgewachsenen Insekten) entwickeln kann. Die Raupen nehmen aber niemals so überhand, dass die Pflanzen kahl gefressen würden. Es verschwinden immer nur ein paar Blättchen, und im nächsten Jahr blühen die Königskerzen wieder unversehrt wie immer.

Knigskerze mit Raupen Jeckel

abgeblühte Purpur-Königskerze (Verbascum phoenicum) mit Raupen des Braunen Mönchs (Cucullia verbasci)

Die Nachfalterart Brauner Mönch ist mit ihren Larven und damit letzendlich auch als erwachsener Falter ausschließlich auf die verschiedenen Arten der Königskerze angewiesen. Sie sind in Gärten, an Wegrändern und auf Brachflächen beheimatet. Verschwinden oder verändern sich die Lebensräume dieser Pflanzen, verschwindet auch der Braune Mönch, da seine Raupen ohne Königskerzen keine Nahrung finden. Anders als in den anderen Biotopen haben wir es im Garten jedoch in der Hand, was dort wächst und blüht. Am besten ist eine große Vielfalt an Pflanzen. Je größer im Garten die Artenvielfalt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Larven auch spezialisierter Insektenarten Nahrung finden und sich zum erwachsenen Tier entwickeln können. Und je mehr von den angestammten Lebensräumen in der freien Natur verschwinden, umso wichtiger werden die Gärten, um diese Verluste ein wenig zu kompensieren.

 Ebenfalls an bestimmte Pflanzen gebunden ist der Schwalbenschwanz, ein Schmetterling, der mittlerweile selten geworden ist. Er ernährt sich als Raupe von verschiedenen Doldengewächsen wie Möhren, Kümmel und Fenchel und sucht sie als erwachsenes Tier zur Eiablage auf. Es schadet also nichts, etwas Wilde Möhre im Garten zu haben, die man in bestimmten Ecken einfach sich selbst überlässt.

 Schwalbenschwanz Jeckel

Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Bei uns finde ich den Schwalbenschwanz immer mal wieder auch am Gewürzfenchel, der mittlerweile nicht nur im mediterranen Kräuterbeet wächst, sondern sich auch an anderen trockenen Bereichen des Gartens niedergelassen hat. Aus den Wurzelstöcken entwickeln sich jedes Jahr bis zu zwei Meter hohe Pflanzen, deren Blüten im Hochsommer bei Schwebfliegen und anderen Insekten heiß begehrt sind. Teilweise lasse ich die Samen ausreifen und nutze sie für Tee oder zum Würzen von mediterranen Gerichten.

Überhaupt sind mediterrane Kräuter gut geeignet, um für Insekten die blütenarme Zeit im Hochsommer zu überbrücken. Sehr zu empfehlen ist Oregano, der um diese Zeit blüht und auch im Blumenbeet eine gute Figur macht. Voraussetzung sind eher trockene Gartenbereiche, ebenso wie beim Bergbohnenkraut, auf dessen hübsche weiße Blüten im Juli/August insbesondere die Honigbienen „fliegen“.

Ein Strauch des Hochsommers ist der Sommerflieder, den es in vielfältigen Sorten gibt, insbesondere in Farbschattierungen von Pink, Magenta, Rosa, Violett oder Blau. Er kommt mit Trockenheit und Hitze hervorragend zurecht, ein echter Vorteil in Zeiten tendenziell immer heißer und trockener werdender Sommer. Sein zweiter Name ist Schmetterlingsflieder, was damit zusammenhängt, dass sich Schmetterlinge oft in großer Zahl an den Blüten versammeln. Oft kann man die langen Rüssel beobachten, die die Falter in die Blüten stecken, um an den Nektar zu gelangen. Wird der Rüssel nicht benötigt, wird er einfach unter dem Kopf zusammengerollt, damit er im Flug nicht stört. Nicht nur Edelfalter wie Tagpfauenauge oder Admiral findet man am Schmetterlingsflieder, sondern auch kleinere Schmetterlingsarten wie diese elegante Gespinstmotte, die jedoch nichts mit den Kleidermotten zu tun hat, die an unseren Wollpullovern fressen.  

 Sommerflieder mit Gespinstmotte Jeckel

Sommerflieder (Buddleja davidii) mit Gespinstmotte (Yponomeuta spec.)

Und das Taubenschwänzchen, von dem ich in der letzten Ausgabe berichtet habe? Im Hochsommer sind die meisten Roten Spornblumen bereits verblüht, so dass der Treibstoff für diesen großen Flugkünstler woanders gefunden werden muss. Hier kommt der sommerblühende Phlox ins Spiel. Er ist ein wichtiger Nektarlieferant in der Hochsommerzeit, nicht nur für die Taubenschwänzchen. Der Hohe Sommer-Phlox wächst bei uns in verschiedenen Sorten im lichten Schatten auf humosem Boden und im selben Beet wie die Akeleien im Frühsommer.

Es gibt noch eine andere Phlox-Art in unserem Garten, den Großblatt-Phlox (Phlox amplifolia), der im Präriebeet sein Zuhause hat. Diese robuste und gesunde Phlox-Art verträgt deutlich mehr Trockenheit als der Hohe Sommer-Phlox. Auch den Großblatt-Phlox gibt es in verschiedenen Sorten, die mit ihren Namen wie „Winnetou“, „Apanatschi“ oder „Tecumseh“ auf die Herkunft dieser Pflanze hinweisen: Nordamerika. Dort ist dieser Phlox ursprünglich beheimatet, in den Appalachen und im Hochland von Tennessee und Missouri in lichten Wäldern und an Gehölzrändern.

Groblatt Phlox Jeckel 

Großblatt-Phlox (Phlox amplifolia) „Winnetou“

Phloxe sehen nicht nur wunderschön aus und liefern Nektar für die Insekten, sondern viele Sorten duften auch fantastisch. Da möchte man doch Karl Foerster, dem großen deutschen Staudenzüchter und Garten-Poeten zustimmen, der unter anderem viele bekannte Sorten des Hohen Sommer-Phlox gezüchtet hat. Er sagte über ihn: „Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum.“

Sylvia Reckel (Text und Fotos)

Irgendwann im Frühjahr geht es im Garten plötzlich ganz schnell: Schneeglöckchen, Winterlinge und Krokusse sind verblüht, die Hochphase der Tulpen ist abgeflaut, Zugvögel wie Lerchen, Zilpzalp und vielleicht auch eine Nachtigall sind aus dem Süden zurück. In den üppigen Blüten des Frühsommers sind Insekten wie Wildbienen, Schwebfliegen und Wollschweber sowie Honigbienen, Käfer und Schmetterlinge unterwegs auf der Suche Pollen und Nektar.

Beim Pollen handelt es sich um den männlichen Blütenstaub, der für die Bestäubung der weiblichen Blütenstände und damit für die Fruchtbildung unerlässlich ist. Auf ihrer Suche von Blüte zu Blüte nach Pollen und Nektar übertragen die Insekten den an ihrem oft pelzigen Körper haftenden Pollen und sorgen so für die Bestäubung und letztendlich für die Bildung von Früchten und Samen. Dies gilt für viele Wildpflanzen, aber auch für etliche Kulturpflanzen, also für unsere Nahrungsgrundlage. Ohne Insekten kein Essen auf dem Teller!

Einige wie die Rote Mauerbiene sammeln allein den Pollen, andere machen dies in Kombination mit Nektar. Nektar ist eine Zuckerlösung, die in speziellen Organen der Blüten, den Nektarien, erzeugt wird. Insekten benötigen ihn als Powerquelle für ihren energiezehrenden Flug. Manche von ihnen wie Mauer-, Mörtel- und Scherenbienen nutzen ihn als praktischen Baustoff, nämlich als Kleister zusammen mit Lehm für ihre Brutzellen und die Verschlüsse ihrer Neströhren. Dies lässt sich gut bei den sog. Insektenhotels beobachten. Pollen und Nektar werden aber auch aufgenommen, um die junge Brut damit zu füttern.

 Rosenbluete mit Rosenkaefer Jeckel

Rosenblüte mit Gemeinem Rosenkäfer (Cetonia aurata)

Ein wunderschön grün schillernder Pollen- und Nektarkonsument ist der Gemeine Rosenkäfer (Cetonia aurata), der sich gerne in den Blüten meiner großen gelben Strauchrose der Sorte „Aicha“ niederlässt. Seine Larven findet man oft im Kompost, wo sie sich von verrottenden Pflanzenteilen ernähren. Die frühblühende, herrlich duftende Rose „Aicha“ ist sehr robust, außerordentlich frosthart und - ganz wichtig für Insekten – einfach blühend. Das heißt, es gibt nur einen oder zwei Kränze an Blütenblättern, und die pollentragenden Staubgefäße sind frei sichtbar. Bei gefüllt blühenden Rosensorten ist für die Insekten in den Blüten kein oder nur sehr wenig Pollen zu finden, da die meisten Staubblätter züchterisch zu Blütenblättern umgebildet wurden. Andere empfehlenswerte einfach blühende Rosen sind Wildrosen oder ihre Abkömmlinge wie Rosa rugosa (Kartoffelrose) Rosa gallica „Complicata“ (Provins-Rose) und Rosa glauca (Hechtrose) sowie unter den modernen ungefüllt blühenden Rosensorten beispielsweise die weiße „Jacqueline du Pré“ und die gelblich-lachsrot bis pink changierende „Mutabilis“. Diese Sorten sind weniger frosthart als die Wildrosen und stehen daher in unserem Garten vor den Ostwinden geschützt hinter dem Haus.

Im Frühsommer blühen bei uns Hunderte von Akeleien in vielen Formen und Farben. Akeleien sind bei vielen Insekten sehr geschätzt. Duft und Farbe locken sie an, aber nicht alle Insekten schaffen es, ohne weiteres an den begehrten Nektar tief im Inneren der Blütensporne zu gelangen. Sie brauchen einen ausreichend langen Rüssel dafür, wie ihn beispielsweise die Hummeln besitzen. Es sei denn, als kurzrüsseliges Insekt beißt man in frecher Weise seitlich ein Loch in den Sporn und holt sich so die Beute. Was dann oft auch weitere Nutznießer wie Honigbienen anlockt, die diese Pforte zum süßen Genuss gleich mitbenutzen. Akeleien sind wunderschön anzusehen, wirken anmutig wie leichtfüßige Tänzerinnen und samen sich immer wieder neu aus. Manchmal auch in größerer Zahl im Gemüsebeet, wo ich sie zugunsten einer reichen Ernte schnell entferne. Da fängt man doch an, über den Unkraut-Begriff nachzudenken: Sind Unkräuter bestimmte Pflanzenarten oder doch eher Pflanzen, die man an bestimmten Stellen nicht haben möchte? Wenn man diesen Begriff überhaupt benutzen möchte…

 Schuppenkopf mit Hummeln Jeckel

Großer Schuppenkopf (Cephalaria gigantea) mit Hummeln

Ausgesprochene Hummelpflanzen in unserem Garten sind im Frühsommer unter anderem Lavendel, Salbei in verschiedenen Sorten - insbesondere die dunkelviolette Hainsalbei-Sorte „Caradonna“, verschiedene Sorten Katzenminzen und der Große Schuppenkopf (Cephalaria gigantea).

Wie der Name schon sagt, wird der Große Schuppenkopf recht hoch, bis 2 Meter, und ist dadurch trotz seiner dezenten Blütenfarbe ein Hingucker. Er braucht eine sonnige bis halbschattige Lage und wächst gerne auf unserem lehmigen Boden. Nur Staunässe kann er nicht vertragen. Für die Insekten, insbesondere für Hummeln und Schmetterlinge, sind seine Blüten wie ein Magnet. Oft kann man die Hummeln gleich zu mehreren an einem Blütenstand beobachten. Manche übernachten dort auch, und man findet sie am frühen Morgen in ihrer Nahrungsquelle, noch unbeweglich durch die Kühle der Nacht. Sie schlafen also in den Blüten wie in einem Schlaraffenland.

Andere Insekten besuchen die Blüten des Borretsch (auch Gurkenkraut genannt), der bei uns im Gemüsegarten vagabundiert, die Witwenblumen (Knautia arvensis in Blau, Knautia macedonica in Weinrot) oder die verschiedenen Iris-Sorten. Ein Anziehungspunkt für Insekten ist auch die Wildpflanze Gemeiner Natternkopf (Echium vulgare), die sich in meinem Präriegarten-Beet angesiedelt hat und mit ihrem violett-blauen Farbspiel wunderschön anzusehen ist. Sie samt sich immer wieder aus und erhält sich so von selbst.

 Taglilie mit Schwebfliegen Jeckel

Taglilie (Hemerocallis, Sorte „Arctic Snow“) mit Schwebfliegen

Insbesondere Schwebfliegen „fliegen“ auf die eleganten Blüten der Taglilien, die es in vielen Sorten und Farben gibt. Schwebfliegen imitieren durch ihre gelb-schwarz gestreiften Zeichnungen am Hinterleib das Aussehen von Wespen, die bekanntermaßen einen wehrhaften Stachel besitzen. Eine raffinierte Form der Täuschung, die Fressfeinde vor dem Zuschnappen abhalten soll.

Ein ganz besonderer Gast unter den Insekten ist ab dem Frühsommer das Taubenschwänzchen, ein Schmetterling, den man wegen seines Flugverhaltens auf den ersten Blick für einen Kolibri halten könnte. Es ist jedoch ein Nachtfalter, der auch am Tag fliegt und mit seinem langen Rüssel in schwirrendem Flug Nektar aus den Roten Spornblumen in unserem Garten saugt.

Energiereichen Nektar benötigen Taubenschwänzchen in großen Mengen, quasi als Treibstoff für ihre erstaunlichen Flugkünste. Diese Schmetterlinge können mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern fliegen und in nur sechs Sekunden von null auf 70 Stundenkilometer beschleunigen. Das alles geschieht mit 60 Flügelschlägen pro Sekunde, wobei sie wie ein Hubschrauber vorwärts und rückwärts manövrieren. So schnell kann man oft gar nicht schauen und schon gar nicht fotografieren!

 Spornblume mit Taubenschwaenzchen Jeckel

Rote Spornblume (Centranthus ruber) mit Taubenschwänzchen

Taubenschwänzchen sind Wanderfalter, die wie die Zugvögel im Sommerhalbjahr aus Südeuropa und Nordafrika bis zu 2.000 Kilometer nordwärts fliegen, um sich hier zu paaren. Die Eier werden ausschließlich an Labkrautgewächsen abgelegt, wozu auch in den Beeten so unbeliebte Pflanzen wie das Kletten-Labkraut gehören. Nur an diesen Gewächsen können sich die Raupen ernähren und nach der Verpuppung zu einem ausgewachsenen Taubenschwänzchen entwickeln. Ohne Raupenpflanzen keine Raupen, und ohne Raupen keine Schmetterlinge. Ein wenig Nachsicht mit den Unkräutern, zumindest an einigen Stellen, könnte hier also helfen… Und Nachsicht auch mit ausbreitungsfreudigen Nektarpflanzen wie der Roten Spornblume, die der Falter nach seinem langen Flug aus dem Winterquartier dringend braucht, um seine Reserven wieder aufzufüllen und sich fortzupflanzen. Ich lasse sie sich an den trockenen Stellen im Garten versamen und entferne sie beim Jäten lediglich dort, wo sie überhandnehmen. Auf dass die Taubenschwänzchen immer genug Treibstoff haben!

Was hilft Insekten sonst noch, außer einer gewissen gärtnerischen Nachsichtigkeit, Nektar und Pollen spendenden Pflanzen, und vielleicht einem Insektenhotel? Auch diese Tiere haben Durst! Ganz wichtig ist für sie daher Wasser im Garten, am besten in Form einer flachen Schale, in der sie nicht ertrinken können und die regelmäßig nachgefüllt wird. So einfach und so wirksam…

 

Von Sylvia Reckel (Text und Fotos)

Insektenfreundliche Gärten sind seit einigen Jahren immer wieder Thema, spätestens seit vor einigen Jahren Zahlen zum enormen Rückgang bei landbewohnenden Insekten öffentlich bekannt wurden. Meistens denkt man bei solchen Gärten an spezielle Blühmischungen zum Einsäen. Doch nicht jeder möchte aus seinem Garten eine große Blühwiese aus einjährigen Blumen machen, so dass es, wenn überhaupt, bei wenigen Quadratmetern bleibt, die für die Insekten reserviert sind. Zudem stehen den Insekten die Blüten aus diesen Mischungen meist recht spät im Jahr und nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung. Zudem werden die wichtigen Randzeiten im Frühjahr oder Spätsommer/Herbst oft nicht abgedeckt.

Für unseren Garten habe ich daher einen anderen Weg gewählt und setze in erster Linie auf insektenfreundliche Stauden, Büsche und natürlich Zwiebel- und Knollenpflanzen. Besonders interessant für die Insektenwelt, aber auch eine Freude für das menschliche Auge ist es, wenn möglichst das ganze Jahr hinweg etwas blüht. Bei mir eröffnet im Januar, manchmal schon Ende Dezember, ein prächtiger Zaubernuss-Strauch (Hamamelis) den Jahreslauf im Garten. Er blüht vor dem Austrieb seiner Blätter am nackten Strauch bis weit in den März hinein. Manchmal liegt zwischendurch Schnee auf seinen gelben duftenden Blüten. Bei stärkerem Frost rollt die Zaubernuss die Blütenblätter einfach ein, um sie zu schützen, und streckt sie anschließend ungerührt wieder aus. Ungefähr zur selben Zeit oder kurz danach öffnen sich ebenfalls am nackten Strauch die Blüten von Duft-Schneeball, Winter-Geißblatt, Winter-Jasmin, Winterblüte und etwas später von der Kornelkirsche. Und es genießt nicht nur das Auge, sondern auch die Nase, denn alle duften herrlich. Ein kleiner Duft-Kick mitten im Winter!

 

Zaubernuss (Hamamelis japonica)

Zaubernuss Hamamelis japonica

Wenn die Zaubernuss blüht, ist es für mich Zeit, immer mal wieder zwischen und unter das liegengebliebene Laub auf den Beeten zu schauen. Ob da wohl schon die Schneeglöckchen hervorspitzen? Jeden Tag schauen sie ein klein wenig weiter aus der Erde heraus. Schneeglöckchen und andere frühblühende Zwiebel- und Knollenpflanzen

wachsen sogar bei Frost unter einer Schneedecke weiter. Sie erzeugen wie warmblütige Tiere und der Mensch selber Wärme und können so den Schnee über sich zum Schmelzen bringen.

 

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)

Schneegloeckchen Galanthus nivalis

Viele frühjahrsblühende Zwiebel- und Knollenpflanzen werden mit der Zeit zu ausgedehnten Teppichen im Garten. Sie bilden Tochterzwiebeln und vergrößern so ihre Horste. Und die zuckerhaltigen Anhängsel an ihren Samen schmecken Ameisen und werden von ihnen verschleppt und damit verbreitet. Beispiele dafür sind: Zwerg-Iris, Schachbrett­blume, Blaustern, Traubenhyazinthe, frühe Wildtulpen und Winterlinge. Sie alle stellen im Februar/März Nektar und Pollen für die ersten Insekten im Jahr zur Verfügung.

Was, so früh schon? Ja, etliche Insekten starten schon sehr früh ins Gartenjahr. Hummeln beispielsweise fliegen bereits ab +2 Grad Celsius. Es sind die jungen Hummelköniginnen, die überwintert haben und ohne ausreichendes Nahrungsangebot verhungern würden, sobald ihre eigenen Vorräte in ihrem Honigmagen erschöpft sind. Zudem benötigen sie Blütenpollen zur vollen Entwicklung ihrer Eierstöcke, um ein neues Hummelvolk an geeigneten Nistplätzen wie Totholzhaufen, Steinspalten, Mäuselöchern oder alten Vogel-Nistkästen zu gründen. In den „unordentlichen“ Gartenecken sind sie also zu Hause. Mit Gärten, die aussehen wie unsere Wohnzimmer, können Insekten ebenso wie andere Tiere nichts anfangen. Honigbienen starten ab etwa +10 Grad Celsius, also manchmal auch an sonnigen Wintertagen, ihren sog. Reinigungsflug. Da sie während ihrer Überwinterung nicht in ihren Stock koten, müssen sie irgendwann dringend ihre Exkremente entsorgen und sind dann unterwegs auf Nahrung angewiesen. Im Frühling summen sie manchmal in großer Zahl in unseren Elfenkrokussen. Und wenn dann noch die Meisen ihr „Zizidäh“ und die Kleiber ihr „Duuit“ rufen, geht mir das Herz auf! Der Frühling ist da, auch wenn die Temperaturen noch niedrig sind.

Außer frühblühenden Sträuchern sowie Zwiebel- und Knollenpflanzen gibt es verschiedene Stauden, die Honigbienen, Hummeln und andere Wildbienen bei ihrem Frühlingsstart unterstützen können. Im Gegensatz zu einjährigen Sommerblumen sterben bei Stauden die oberirdischen Teile zum Winter hin ab. Die Pflanzen überwintern unterirdisch oder mit einer Blattrosette, treiben im Frühjahr wieder frisch aus und kommen zur Blüte. Beachtet man bei der Pflanzung ihre jeweiligen Ansprüche in Bezug auf Licht, Feuchtigkeit und Boden, hat man viele Jahre Freude an ihnen.

 

Lenzrosen-Sorten (Helleborus orientalis) mit Narzissen und Kleinem Immergrün (Vinca minor)

Lenzrosen Sorten

Zu meinen liebsten frühblühenden insektenfreundlichen Stauden gehören die Lenzrosen (Helleborus orientalis), die es in vielen Farbschattierungen von hellrosa bis dunkelrot sowie zahlreichen Blütenformen gibt: ausgebreitet, glockig, gerüscht, gefranst. Sie wachsen ausgezeichnet in unserem lehmigen Boden und bilden mit der Zeit prächtige Horste. Wenn man sie lässt, wenn man also die Samen nicht abschneidet und im Garten nicht dauernd hackt und gräbt, vermehren sie sich und kreuzen sich dabei. Es erscheinen also immer wieder neue Form- und Farbkombinationen.

Ein guter Bodendecker im Halbschatten ist das Kleine Immergrün. Es breitet sich gerne aus und ist im Frühjahr je nach Sorte voller blauer oder auch weißer Blütensterne. Andere wunderbare Frühlingsstauden für Insekten sind Schlüssel-blumen, Küchenschellen, Lungenkraut oder Polster-Phlox, den es in vielen Sorten und Farben gibt.

 

Huflattich (Tussilago farfara)

Huflattich Tussilago farfara

An einigen Stellen fühlt sich bei mir auch der Huflattich wohl, eine Wildpflanze, die sich „einfach so“ ansiedelt. Als erstes schiebt er nur die strahlend gelben Blütensonnen. Sind sie verblüht, kommen kleine Pusteblumen und Blätter zum Vorschein. An manchen Stellen stören mich später die recht großen Blätter. Ich nehme sie zum Teil dann weg, was der Blühfreude im nächsten Jahr aber keinen Abbruch tut. Ebenso wie das Lungenkraut und später im Jahr der Gundermann ist der Huflattich eine Heilpflanze gegen Husten. Man kann also einen Tee daraus herstellen, indem man Blüten und Blätter trocknet und mit heißem Wasser aufgießt. Auch frisch lassen sich die Pflanzen als Tee verwenden.

Und sonst? Lasse ich oft einen Teil meines im Herbst gepflanzten Grünkohls im Gemüsegarten zur Blüte kommen. Das sieht wunderschön aus und ist eine Wohltat für die Insekten. Ist die Sorte samenecht, kann man anschließend auch noch Saatgut ernten. Und bei uns sieht der Rasen nicht englisch aus und wird auch nicht regelmäßig von einem Mähroboter gemäht. Das führt dazu, dass sich an etlichen Stellen neben Gras auch Wildpflanzen ausbreiten können und er von Gänseblümchen bestickt ist. Sie haben in ihrer Blüte zwar nur verhältnismäßig wenig Pollen und Nektar zu bieten, wachsen aber in größeren Mengen und blühen fast das ganze Jahr hindurch. So können sie in sonst blütenarmen Zeiten für die Insekten eine kleine Rettung sein.

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